Folge 4: Transformation und Gesellschaft - Teil 2
Shownotes
Die aktuelle politische Situation ist durch mehrdimensionale Krisen gekennzeichnet. Ein zunehmender Rechtsruck und weitreichende Veränderungen im Bereich der Sozialen Medien können bedeuten, dass wir neu über die Weiterentwicklung unserer Gesellschaften nachdenken müssen.
In dieser Folge des Deegitalitäten-Podcasts geht es um die These, dass diese aktuellen Krisen immer im Kontext eines umfassenden Transformationsdrucks wahrgenommen werden müssen.
Dies ist der zweite Teil der Doppelfolge zu "Transformation und Gesellschaft". In der vorherigen Folge habe ich über die aktuelle Situation unserer Gesellschaften aus Sicht der Transformation gesprochen. In dieser Folge beschreibe ich mögliche Ansätze, wie Digitalisierung und Gamification helfen könnten, den Transformationsdruck zu mindern bzw. Transformationsprozesse zu gestalten.
Dabei sind solche Ansätze keine einfachen Lösungen. Aber sie können helfen und haben sich in vielen Projekten und Situationen als sehr hilfreich erwiesen.
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00:00:04: (Transkribiert von TurboScribe.ai. Upgrade auf Unbegrenzt, um diese Nachricht zu entfernen.) Digitalitäten, der Podcast über die Gestaltung des digital
00:00:08: -analogen Lebensraums.
00:00:12: Folge 4, Transformation und Gesellschaft, Teil 2.
00:00:24: Herzlich willkommen zur vierten Folge von Digitalitäten, dem
00:00:29: Podcast über die Gestaltung des digital-analogen Lebensraums.
00:00:33: Mein Name ist Christoph Degg und in dieser
00:00:35: vierten Folge geht es weiterhin um das Thema
00:00:37: Transformation und Gesellschaft.
00:00:41: In der letzten Folge habe ich grundsätzlich über
00:00:43: das Thema Transformation und Gesellschaft gesprochen und die
00:00:46: These aufgestellt, dass die aktuellen politischen Krisen, die
00:00:49: wir überall auf unserem Planeten erleben können, auch
00:00:53: damit zusammenhängen, dass unsere Gesellschaften auf einem riesigen
00:00:57: Transformationsberg sitzen, beziehungsweise ein großer Transformationsdruck
00:01:02: existiert.
00:01:04: Es gibt ganz viele verschiedene Themen, die eine
00:01:08: erhebliche Auswirkung auf unsere Gesellschaften haben und wir
00:01:11: haben über einen sehr langen Zeitraum eigentlich zu
00:01:15: wenig getan, um diese Themen umfassend und nachhaltig
00:01:19: anzugehen.
00:01:20: Themen sind beispielsweise der Klimawandel oder auch Demografie
00:01:25: oder auch so ein Thema wie Migration.
00:01:28: Wir haben Gesellschaften, die sehr reich sind, die
00:01:31: natürlich sehr viel erreicht haben in den letzten
00:01:34: Dekaden, aber nun vor sehr großen Veränderungen stehen.
00:01:38: Es scheint so, als habe man zu lange
00:01:40: gewartet, um diese Transformationsprozesse in Gang zu setzen.
00:01:46: Und in Teilen bedeutet das, dass wir auf
00:01:48: der einen Seite damit leben müssen, dass wir
00:01:50: jetzt eben transformieren müssen, dass wir unsere Gesellschaften
00:01:54: weiterentwickeln müssen, dass wir aber auf der anderen
00:01:56: Seite auch erleben, dass die Tatsache, dass wir
00:01:59: zu lange gewartet haben, nun bedeutet, dass viele
00:02:02: Dinge viel teurer, viel schwieriger, viel anstrengender werden.
00:02:07: Und ein Thema, mit dem wir uns heute
00:02:10: beschäftigen wollen oder das zentrale Thema, mit dem
00:02:12: wir uns heute beschäftigen wollen, ist das Thema
00:02:14: Digitalisierung, auch in Verbindung mit dem Thema Gamification
00:02:18: und auch das wiederum alles aus der Perspektive
00:02:21: der Transformation.
00:02:42: Aus der Perspektive der Transformation ist Digitalisierung ein
00:02:46: sehr spannendes Thema, weil es zum einen eine
00:02:48: große Herausforderung für unsere Gesellschaft bedeutet, weil wir
00:02:51: einfach keine digitalisierte Gesellschaft sind.
00:02:54: Wir haben es noch nicht mal geschafft, unsere
00:02:55: Verwaltung irgendwie zu digitalisieren.
00:02:57: Wir haben überall Medienbrüche.
00:03:00: Wir haben hier und da mal nette digitale
00:03:02: Projekte.
00:03:02: Das mag sicherlich so sein.
00:03:04: Es gibt auch immer wieder schöne Leuchttürme im
00:03:05: Bereich des Digitalen, aber an sich sind wir
00:03:08: weit davon entfernt, eine digitale Gesellschaft zu sein,
00:03:11: was übrigens nicht bedeutet, dass wir einfach nur
00:03:13: überall digitale Technologien haben.
00:03:15: Das habe ich ja in den vorherigen Podcast
00:03:18: -Folgen schon erwähnt, sondern dass wir die damit
00:03:20: verbundenen Funktionen verstehen und nutzen, dass unsere Denk
00:03:24: - und Handlungsweisen so weiterentwickelt werden, dass es
00:03:28: auch einen wirklichen Mehrwert bedeutet, im Digitalen aktiv
00:03:31: zu sein.
00:03:31: Und natürlich geht es auch nicht um die
00:03:34: Ablösung des Analogen, des physischen Raumes durch das
00:03:36: Digitale, sondern es geht vielmehr darum, eine Verbindung
00:03:39: zu schaffen zwischen dem Digitalen und den Analogen
00:03:42: hin zu einer digital-analogen Lebensrealität.
00:03:46: Zum einen ist es eine riesige Herausforderung, weil
00:03:49: wir immer noch nicht so weit sind, das
00:03:50: vernünftig nutzen zu können.
00:03:53: Und zum anderen sind wir in der Situation,
00:03:55: dass aber Digitalisierung ein zentraler Hebel sein könnte.
00:03:59: Es könnte uns wirklich helfen, gerade in der
00:04:01: aktuellen Situation mit diesem massiven Transformationsdruck, könnte uns
00:04:05: Digitalisierung helfen.
00:04:07: Ich habe mir überlegt, einfach mal anhand von
00:04:10: ein paar wenigen Beispielen aufzuzeigen, wo Digitalisierung uns
00:04:15: überall helfen könnte.
00:04:35: Digitalisierung könnte uns beispielsweise helfen, überhaupt erst mal
00:04:39: durch die Generierung von Daten und die Analyse
00:04:42: von Daten, die Komplexität der aktuellen Situation besser
00:04:47: zu verstehen.
00:04:48: Also viel genauer zu sehen, was passiert denn
00:04:50: eigentlich da, was müssen wir denn eigentlich tun.
00:04:53: Das ist von zentraler Bedeutung.
00:04:55: Je mehr Daten wir haben, desto besser können
00:04:58: wir auch verstehen, wie das System, Gesellschaft, wenn
00:05:02: man das so nennen will, funktioniert.
00:05:04: Und damit ist nicht der kleserne Mensch gemeint.
00:05:07: Es geht nicht darum, eine Kontrolle zu haben,
00:05:10: aber es geht darum, beispielsweise auch bei Wetterdaten,
00:05:12: Klimadaten, bei Verbrauchsdaten, bei ganz ganz vielen Bereichen
00:05:15: ist es total hilfreich, wenn wir Daten haben
00:05:19: und Daten analysieren können und daraus resultierend dann
00:05:23: auch feststellen können, was denn überhaupt die besten
00:05:26: Wege wären, um mit bestimmten Themen umzugehen.
00:05:30: Das reicht aber nicht aus.
00:05:31: Wenn wir nur mit Daten arbeiten, wenn wir
00:05:34: nur einfach Daten analysieren, dann haben wir am
00:05:36: Ende erst mal nur eine große Menge an
00:05:39: Daten und in irgendeiner Form eine Bewertung.
00:05:42: Und dann besteht das Risiko, dass nur eine
00:05:44: kleine Gruppe von Expertinnen und Experten in der
00:05:47: Lage ist, diese Daten zu verstehen.
00:05:50: Das heißt, wir haben dann sowas wie ein
00:05:51: Geheimwissen, ein Spezialwissen.
00:05:54: Das ist so ein bisschen wie in der
00:05:56: Kirche, wenn eine Messe nur auf Latein durchgeführt
00:06:01: wird, dann verstehen die wenigsten Menschen, was damit
00:06:03: gemeint ist.
00:06:04: Es verstehen nur die Menschen, die Latein können.
00:06:06: Also wenn wir aber erreichen wollen, dass möglichst
00:06:10: viele Menschen an der Gestaltung unserer Gesellschaft teilnehmen,
00:06:14: also mitmachen, dann müssen wir diese Daten übersetzen.
00:06:17: Und auch da könnte Digitalisierung total hilfreich sein,
00:06:21: indem man nämlich durch digitale Angebote Erfahrungsräume schafft,
00:06:26: die es uns ermöglichen, diese Prozesse besser zu
00:06:30: verstehen.
00:06:32: Und das kann man dann quasi wie so
00:06:33: eine Übersetzerfunktion erst mal sehen, dass man Systeme
00:06:37: mit künstlicher Intelligenz wäre, das ohne weiteres möglich,
00:06:40: so ein bisschen Kombination aus dem Modell der
00:06:43: Sendung mit der Maus, mit künstlicher Intelligenz.
00:06:46: Und das könnte sein, dass bei all diesen
00:06:48: Fragestellungen ein digitales Angebot diese Daten, diese Erkenntnisse
00:06:56: übersetzt in meine individuelle Lebensrealität.
00:06:59: Das heißt, also erstmal könnte man dafür sorgen,
00:07:01: dass Menschen überhaupt viel besser verstehen, um was
00:07:05: es eigentlich geht.
00:07:06: Denn ich bin der festen Überzeugung, dass wir
00:07:08: da ein riesengroßes Defizit haben.
00:07:12: Das Zweite, was wir gerade auch über den
00:07:13: digitalen Raum machen könnten, ist, dass wir Räume
00:07:16: schaffen.
00:07:16: Das müssen wir im Analogen übrigens auch tun.
00:07:19: Das fehlt uns aus meiner Sicht viel zu
00:07:21: sehr.
00:07:22: Wir müssen Räume schaffen, in denen es möglich
00:07:25: ist, in einem geschützten Raum in den Austausch,
00:07:28: in den Diskurs zu gehen, auch dann, wenn
00:07:30: da teilweise extrem diametrale Meinungen aufeinander stoßen.
00:07:34: Also wenn wir die Unterschiedlichkeit, wir müssen die
00:07:37: Unterschiedlichkeit der Sichtweisen und der Meinungen, die müssen
00:07:41: wir sichtbar machen.
00:07:43: Wir müssen dafür sorgen, dass wir die Unterschiedlichkeit
00:07:46: erfahren können.
00:07:47: Das klingt jetzt sehr abgehoben.
00:07:49: Was damit konkret gemeint ist, ist, dass wir
00:07:51: durch das Digitale einen Aushandlungsprozess starten können, einen
00:07:56: Verständnisprozess, den wir bis jetzt in unserer Gesellschaft
00:07:59: nicht haben.
00:07:59: Wir haben eher verhärtete Fronten.
00:08:02: In dem Zusammenhang sei auch bitte erwähnt, das
00:08:05: ist der Grund, warum ich beispielsweise ein so
00:08:08: großer Kritiker der Aktivitäten von Elon Musk auf
00:08:12: der Plattform X bin.
00:08:12: Da geht es nicht nur im Kern darum,
00:08:14: ob er die ganze Zeit Rechtsextremisten unterstützt etc.
00:08:17: bp.
00:08:17: Sondern es geht vor allen Dingen darum, dass
00:08:19: das, was er macht, das Kontraproduktive, das Gegenteil
00:08:22: davon ist.
00:08:23: Es geht eben nicht um einen Austausch, es
00:08:25: geht nicht um ein Erfahrbarmachen von Möglichkeiten, sondern
00:08:30: es geht um eine maximale Emotionalisierung im Sinne
00:08:32: einer Empörungsekonomie.
00:08:34: Und das hilft es natürlich nicht weiter.
00:08:36: Also wir können das Ganze übersetzen und wir
00:08:38: können es erfahrbar machen und wir können Räume
00:08:41: schaffen, in denen wir darüber nachdenken, was das
00:08:44: denn dann für uns bedeutet.
00:08:45: Wo gegebenenfalls auch dann unterschiedliche Meinungen sichtbar werden,
00:08:49: Ängste formuliert werden können usw.
00:08:53: Auch das ist noch nicht alles.
00:08:54: Wir könnten auch über Digitalisierung Wege finden, wie
00:08:56: ich individuell eine Art Strategie der Weiterentwicklung haben
00:09:04: kann.
00:09:04: Das ist ja ein Problem, was wir haben,
00:09:05: dass sehr viele Menschen das Gefühl haben, dass
00:09:09: überhaupt nicht klar ist, wo wollen wir denn
00:09:11: überhaupt hin.
00:09:12: Man hört zwar, wir wollen etwas gegen den
00:09:13: Klimawandel tun, wir wollen klimaneutral.
00:09:16: Was bedeutet das und was ist denn mein
00:09:18: individueller Optionsraum da drin?
00:09:20: Das, was sehr viele Menschen wahrnehmen.
00:09:22: Ich habe mit vielen Leuten darüber gesprochen, was
00:09:24: sie in der Regel wahrnehmen ist, dass sie
00:09:27: sagen, ja gut, du sollst nicht mehr fliegen,
00:09:28: du sollst kein Fleisch mehr essen etc.
00:09:29: bp.
00:09:29: Wenn man jetzt mal auf das Thema Klimawandel
00:09:31: geht.
00:09:32: Aber das ist ja kein Runterbrechen auf die
00:09:35: eigene Lebensrealität.
00:09:37: Und ich habe in einem anderen Podcast-Projekt
00:09:39: mit der Kulturpolitischen Gesellschaft Deutschlands haben wir über
00:09:43: Digitalität und Nachhaltigkeit und Wandel gesprochen.
00:09:47: Immer wieder.
00:09:47: Verschiedene Folgen.
00:09:48: Ich werde da irgendwann nochmal genauer drauf eingehen.
00:09:51: Und das Geniale daran war, dass eine Teilnehmerin,
00:09:55: also eine Diskutantin dann meinte, dass sie nicht
00:09:59: mehr über den ökologischen Fußabdruck eines Menschen reden
00:10:03: möchte, sondern vielmehr über den ökologischen Handabdruck.
00:10:08: Also der Fußabdruck, das, was du alles hinterlassen
00:10:10: hast, wo du CO2 erzeugt hast, wo du
00:10:12: es immer noch erzeugst durch dein Leben.
00:10:14: Und dann gibt es den Handabdruck, das, was
00:10:16: du alles schon getan hast, wo du Dinge
00:10:18: verändert hast.
00:10:19: Da kommen wir dann in den Bereich der
00:10:21: Gamification.
00:10:22: Das ist so ein schönes Beispiel dafür, weil
00:10:24: die Gamification uns da helfen kann.
00:10:26: Also wir können Spielmechaniken nutzen, um diese Prozesse,
00:10:31: um diese Themen erfahrbar zu machen, aber auch
00:10:34: um den Menschen die Möglichkeit zu geben, für
00:10:36: sich selber zu verstehen, was sie denn tun
00:10:38: können und daraus individuelle Veränderungsstrategien aufzubauen.
00:10:42: Das ist möglich.
00:10:44: Und da eignen sich dann digitale Werkzeuge sehr
00:10:46: gut.
00:10:46: Das könnte man über Apps lösen.
00:10:47: Das ist ein ganz konkretes Beispiel, die ich
00:10:49: jetzt bringe.
00:10:50: Es gäbe noch viele, viele weitere Möglichkeiten, wo
00:10:53: uns Digitalisierung helfen kann.
00:10:55: Aber dafür müsste Digitalisierung eben auch möglich sein.
00:11:00: Ja, und wenn ich mir jetzt beispielsweise überlege,
00:11:02: ganz konkretes, aktuelles Beispiel, wo ich hier diese
00:11:04: Podcast-Folge einspreche.
00:11:07: Wir mussten heute Morgen früher aufstehen, nicht nur,
00:11:10: weil die Tochter wieder in die Schule geht,
00:11:12: der erste Schultag im neuen Jahr, sondern weil
00:11:15: unsere Messgeräte hier für Heizung und Warmwasser und
00:11:19: alles abgelesen wurden.
00:11:20: Da kommt ein Mensch.
00:11:22: Da kommt ein Mensch, da müssen wir sogar
00:11:23: ein Bücherregal wegräumen, weil wir, da ist so
00:11:25: ein Loch in der Wand, da ist eine
00:11:27: Platte davor und da steht bei uns ein
00:11:29: Bücherregal davor.
00:11:31: Also müssen wir das immer abbauen.
00:11:32: Dann kommt da jemand und misst das ab.
00:11:34: Das dauert nicht lange.
00:11:35: Aber es ist ein Riesenprozess dahinter.
00:11:37: So, was passiert jetzt?
00:11:38: Das erste ist erstmal, technologisch gesehen wäre es
00:11:41: überhaupt kein Problem dafür zu sorgen, dass das
00:11:44: Ablesen dieser Zähler automatisiert passiert.
00:11:48: Das wäre überhaupt kein Problem.
00:11:50: Da muss kein Mensch vorbeikommen.
00:11:51: Das ist völliger Blödsinn.
00:11:52: Das zweite ist, ich bekomme diese Daten ja
00:11:54: nicht.
00:11:54: Ich bekomme irgendwann eine Rechnung.
00:11:57: Aber ich bekomme nicht ein Datenmodell, wo ich
00:11:59: sage, okay, ich kann das in Echtzeit sehen,
00:12:01: ich kann gucken, wie nutze ich Themen, wie
00:12:03: nutze ich Warmwasser.
00:12:05: Uns ist es gar nicht möglich, mit unseren
00:12:07: eigenen Verbrauchsdaten im Sinne einer Echtzeit zu arbeiten.
00:12:10: Jetzt werden einige sagen, Moment mal, da gibt
00:12:12: es jetzt ja diese smarten Heizungsthermometer und so
00:12:15: weiter.
00:12:15: Ja, das gibt es.
00:12:16: Da geht es los.
00:12:17: Aber das müsste Standard sein.
00:12:18: Weil wenn es ein Standard ist, dann können
00:12:21: Menschen zusammenkommen und können sich darüber austauschen.
00:12:24: So bringt es mir nichts, wenn ich weiß,
00:12:25: dass es vielleicht ein ganz kleiner Teil von
00:12:27: Leuten sich leisten kann.
00:12:28: Dinge sind ja auch nicht billig, sich das
00:12:30: da einzubauen.
00:12:30: Aber wenn das überall so wäre und einfacher
00:12:32: wäre, wenn diese Daten da wären, nutzbar wären,
00:12:36: die Nutzbarkeit von Daten ist extrem wichtig bei
00:12:38: Transformationsprozessen, dann könnten wir auf dieser Ebene ganz
00:12:42: anders miteinander agieren.
00:12:44: Dann könnten wir theoretischerweise daraus Angebote entwickeln, die
00:12:47: dazu führen, dass wir unser Verhalten anpassen.
00:12:49: Aber nicht im Sinne eines, jemand verbietet uns
00:12:51: etwas, sondern wir können selber unseren Optionsraum aktiv
00:12:55: gestalten.
00:13:15: Was bedeutet das also?
00:13:17: Was bräuchten wir denn oder was fehlt uns
00:13:20: denn, um mit diesem Transformationsdruck vielleicht sinnvoller umzugehen?
00:13:25: Und das möchte ich im Folgenden beschreiben und
00:13:28: diskutieren und damit auch diese Podcastfolge beenden.
00:13:32: Zum einen, was uns fehlt, ist überhaupt erstmal
00:13:34: ein Strategiesystem, ein klares Zielsystem.
00:13:38: Was uns fehlt in unserer Gesellschaft ist ein
00:13:41: Zielsystem.
00:13:41: Wir hören zwar, wir wollen jetzt in irgendeiner
00:13:43: Form klimaneutral sein, wir wollen Digitalisierung machen, wir
00:13:48: müssen irgendwie auf Demografie reagieren.
00:13:51: Es ist ja ein Reagieren auf Situationen.
00:13:54: Also wir wissen um diese Probleme seit vielen
00:13:56: Jahren, reagieren aber zu spät.
00:13:58: Also das gibt es alles.
00:14:00: Aber was wir nicht haben, ist ein klares
00:14:02: Zielsystem und das ist extrem wichtig.
00:14:03: Menschen können sich nur auf den Weg machen,
00:14:05: wenn es ein klares Zielsystem gibt und das
00:14:07: Zielsystem muss greifbar sein, es muss übersetzbar sein.
00:14:11: Das hatte ich ja gerade beim Beispiel der
00:14:13: Anwendung von Digitalisierung schon erwähnt.
00:14:16: Wir brauchen klare Ziele, die übrigens auch bleiben.
00:14:20: Das ist das Nächste.
00:14:21: Strategien müssen beibehalten werden.
00:14:23: Ich habe gerade gelesen, dass es in Norwegen
00:14:25: war, dass fast nur noch Elektroautos verkauft werden
00:14:30: und überhaupt keine Verbrennermotoren mehr.
00:14:32: Das haben die gemacht, da gibt es bestimmte
00:14:34: Gründe.
00:14:34: Das Entscheidende für mich ist aber, dass gesagt
00:14:37: worden ist, wir haben ja eine Strategie, die
00:14:39: ziehen wir über mehrere Dekaden durch, unabhängig welche
00:14:41: Partei gerade an der Macht ist.
00:14:43: Das ist ein extrem wichtiger Punkt.
00:14:44: Da kann man etwas anpassen, da kann man
00:14:46: Nuancen einbringen.
00:14:47: Aber wir diskutieren ja in Deutschland noch über
00:14:49: den allerersten Schritt.
00:14:51: Wir diskutieren über Technologieoffenheit in einem Bereich, wo
00:14:55: das überhaupt keinen Sinn macht.
00:14:58: Also es gäbe so viele Bereiche, wo Technologieoffenheit
00:15:01: hilfreich wäre, aber bei der Frage, wie denn
00:15:03: die Autos in Zukunft angetrieben werden, macht es
00:15:05: aus ganz verschiedenen Gründen, da kann man genügend
00:15:07: nachlesen, überhaupt keinen Sinn.
00:15:09: Wenn wir jetzt beispielsweise drei verschiedene Motorenmodelle hätten
00:15:12: und die in einem Konkurrenzkampf zueinander stehen, die
00:15:15: wissen, dass aber ab einem gewissen Jahr sowieso
00:15:17: alles klimaneutral sein muss, müssen wir ja für
00:15:20: alle diese drei Modelle, müssen ja die Unternehmen
00:15:22: in der Lage sein, Angebote zu schaffen.
00:15:24: Die müssen ja in der Lage sein, diese
00:15:25: Autos zu bauen.
00:15:26: Wir müssen überall Ladestationen, Tankstellen, Produktionen von E
00:15:30: -Fuels oder was sie da alles reinbauen wollen
00:15:32: machen.
00:15:33: Das ist ja völliger Wahnsinn, das wird nie
00:15:34: passieren.
00:15:35: Und das, was aber ganz viele Unternehmen, Organisationen
00:15:38: immer wieder sagen, ist, ich brauche Planbarkeit, ich
00:15:40: brauche Planungssicherheit.
00:15:43: Und das kann man sehen, in Norwegen haben
00:15:44: wir das lange durchgezogen im Bereich der E
00:15:46: -Mobilität, in Südkorea hat man Digitalisierung neben vielen,
00:15:50: vielen anderen Gründen auch deshalb geschafft, weil man
00:15:52: es durchgezogen hat über viele, viele Jahrzehnte.
00:15:54: Deswegen stehen die jetzt da.
00:15:56: Das ist ein ganz wichtiges Element.
00:16:17: Wenn wir dann über Technologieoffenheit reden, wäre die
00:16:19: Frage, brauchen wir eigentlich Technologieoffenheit oder brauchen wir
00:16:22: nicht eher Funktionsoffenheit?
00:16:24: Also müssen wir über die Art und Weise
00:16:26: des Verbrennermotors oder des Motors in einem Auto
00:16:29: diskutieren?
00:16:30: Oder wäre es nicht viel schlauer zu sagen,
00:16:32: wir müssen eigentlich über Mobilität reden?
00:16:35: Das geht in Deutschland natürlich extrem schwierig, weil
00:16:38: wir eine extreme Abhängigkeit von der Automobilindustrie haben.
00:16:41: Das ist mir bewusst.
00:16:43: Aber trotzdem wäre natürlich die Frage, also das,
00:16:45: was ich immer wieder mitkriege auch im internationalen
00:16:48: Austausch, dass mir meine Kolleginnen und Kollegen sagen,
00:16:50: warum könnt ihr die ersten Schritte nicht gehen?
00:16:53: Also wo andere Länder schon unterwegs sind und
00:16:55: es geschafft haben, Themen anzuschieben, in Prozesse hineinzugehen,
00:16:59: ihr verhakt euch immer bei den ersten Schritten.
00:17:02: Ihr diskutiert doch über, ob ihr überhaupt lossegeln
00:17:04: wollt.
00:17:05: Und es ist in Transformationsprozessen immer ein großes
00:17:08: Problem, wenn man es nicht schafft, erstmal wirklich
00:17:11: loszusegeln, sondern schon da diskutiert und sich schon
00:17:15: da irgendwie zerstreitet und schon in da Regierungen
00:17:18: kaputt gehen und so weiter und so fort,
00:17:20: dann haben wir natürlich ein riesengroßes Problem, weil
00:17:22: wir nie eine Transformationsdynamik erzeugen.
00:17:24: Die Menschen erleben nur negative Elemente der Transformation.
00:17:29: Sie erleben, da brechen Regierungen zusammen, da werden
00:17:31: Arbeitsplätze abgebaut und so weiter.
00:17:34: Sie erleben also nicht, wow, da funktioniert was,
00:17:36: das ist besser.
00:17:37: Also für viele Menschen sind diese Aussagen, dass
00:17:40: die Transformation unserer Gesellschaft hilfreich sein kann, was
00:17:43: Gutes sein kann, das ist für die natürlich
00:17:45: völliger Blödsinn, weil die sagen, was ich erlebe,
00:17:47: ist was anderes.
00:17:49: Und am Schluss können wir den Leuten viel
00:17:51: erzählen.
00:17:52: Wenn es nicht real umgesetzt wird, wenn es
00:17:54: nicht spürbar wird, dass da etwas Positives passiert,
00:17:57: werden die Leute diesen Weg nicht mitgehen.
00:18:17: Und im Letzten müssen wir natürlich auch noch
00:18:19: mal darüber nachdenken, wie wir gangbare Schritte, definieren
00:18:23: können.
00:18:24: Wir brauchen Erfolgserlebnisse in der Reihe der Transformation.
00:18:27: Das ist etwas, was ich immer wieder mache,
00:18:28: wenn ich in Transformationsprozessen drinstecke, dass ich dafür
00:18:31: sorge, dass wir gangbare Transformationsschritte definieren, die dazu
00:18:36: führen, dass die Menschen erleben, es geht und
00:18:39: ich kann es.
00:18:41: Ich bin in der Lage, mich da drin
00:18:43: zu bewegen.
00:18:44: Das ist das Problem, was wir momentan haben,
00:18:46: dass die Menschen ja zwar irgendwo was hören,
00:18:49: wenn sie Pech haben, hören sie nur was
00:18:51: von irgendwelchen Aktivisten oder Aktivistinnen, die dann sagen,
00:18:53: du darfst am besten gar nichts mehr machen,
00:18:55: verkriech dich in dein Erdloch und essen noch
00:18:56: irgendwie Chia-Sahne.
00:18:57: Das geht auch nicht, also Linsen oder was,
00:18:59: keine Ahnung.
00:19:00: Das ist natürlich Blödsinn.
00:19:02: Und auf einer abstrakten Ebene ist das natürlich
00:19:04: ganz nett, dass die mal so einen Optionsraum
00:19:06: definieren, was man im Maximalen machen könnte.
00:19:08: Aber das kommt natürlich nicht bei der Lebensrealität
00:19:10: der Menschen an.
00:19:11: Die brauchen die Möglichkeit zu verstehen, was sind
00:19:14: denn meine nächsten Schritte?
00:19:15: Stichwort ökologischer Handabdruck.
00:19:18: Und da könnte Digitalisierung übrigens auch helfen.
00:19:20: Warum?
00:19:21: Weil wir damit Communities aufbauen könnten, die nicht
00:19:24: irgendwie spezielle Aktivisten-Communities sind.
00:19:27: Da gibt es genügend.
00:19:28: Und die Aktivistinnen und Aktivisten, wenn ich es
00:19:29: falsch verstehe, ich finde es super, dass die
00:19:31: da sind, weil sie uns immer wieder den
00:19:33: Spiegel vor Augen halten.
00:19:35: Aber in der konkreten Umsetzung, wenn es dann
00:19:38: wirklich um den Transformationsprozess geht, dann brauchen wir
00:19:41: keinen Aktivismus, da brauchen wir Strategien, da brauchen
00:19:43: wir Ideen und Konzepte und da müssen wir
00:19:45: einen langen Atem haben, der sehr lange Themen
00:19:48: angeht und der auch mit Rückschlägen umgeht, mit
00:19:51: Scheitern umgeht.
00:19:52: Sonst schaffen wir es nicht wirklich, da in
00:19:53: unserer Gesellschaft weiterzukommen.
00:20:12: Und dann möchte ich noch einen letzten Punkt
00:20:14: ansprechen und damit endet diese Podcast-Folge auch.
00:20:16: Ich glaube, was wir auch noch mal diskutieren
00:20:18: müssen im Bereich der Transformation unserer Gesellschaften, ist
00:20:21: die Frage eines neuen Verantwortungsbewusstseins.
00:20:25: Ich glaube, dass wir noch mal uns klar
00:20:27: sein müssen, dass wir alle daran beteiligt waren,
00:20:30: dass es so ist, wie es ist.
00:20:32: An ganz unterschiedlichen Ebenen, sowohl im Guten wie
00:20:34: auch im Bösen.
00:20:35: Das ist nicht nur negativ gemeint.
00:20:36: Ganz viele tolle Errungenschaften in diesem Land und
00:20:39: in vielen anderen Ländern sind da, weil die
00:20:42: Menschen es geschafft haben, diese Dinge hinzukriegen, das
00:20:44: zu machen.
00:20:45: Es geht nicht nur um negative Bereiche, sondern
00:20:48: auch um positive Bereiche.
00:20:50: Aber was wir brauchen, ist eine neue Verantwortung
00:20:53: und wenn wir gerade immer diskutieren, beispielsweise, wo
00:20:56: das Geld herkommen soll, dann geht es mir
00:20:59: gar nicht darum, irgendwie einen sozialistischen Ansatz zu
00:21:01: wählen, sondern um eine ganz andere Frage.
00:21:03: Sollte nicht jeder das, was er hat oder
00:21:05: sie hat zur Verfügung stellen, grundsätzlich, gedanklich gesehen
00:21:09: erstmal.
00:21:10: Sollten wir nicht alle entscheiden, das, was wir
00:21:12: haben an Know-how, an finanziellen Ressourcen, an
00:21:15: anderen Dingen, dass wir es grundsätzlich erstmal quasi
00:21:18: auf den Tisch legen und überlegen, können wir
00:21:20: das nutzen?
00:21:22: Können wir das nutzen?
00:21:23: Was kann ich dazu beitragen?
00:21:25: Und weniger im Sinne einer, wie ich finde,
00:21:29: sehr schwierig geführten Gerechtigkeitsdiskussion.
00:21:32: Ich weiß um die Ungerechtigkeit, dass ein sehr
00:21:35: kleiner Teil der Menschen in Deutschland über ein
00:21:37: extrem hohes Vermögen verfügt.
00:21:41: Das ist völlig richtig.
00:21:43: Ich bin auch gerne bei einer Vermögensteuer, wenn
00:21:45: man das machen will.
00:21:46: Aber ich glaube, dass was der Schritt sein
00:21:48: sollte, der da vor ist, dass man, auch
00:21:50: da könnte uns übrigens Digitalisierung, da könnte uns
00:21:53: auch Gamification helfen, weil diese Spielmechaniken da drin
00:21:55: etwas sind, was wir in ganz vielen Spielen
00:21:57: erleben.
00:21:58: Jeder hat seine Ressourcen.
00:21:59: In Spielen, also wenn man beispielsweise Spiele hat,
00:22:02: wo man in Gruppen gegen andere Gruppen antritt,
00:22:04: ich vereinfache jetzt mal sehr stark, dann gibt
00:22:07: es dann in so einem Team, in so
00:22:09: einer Guild oder was auch immer, einen Zauberer
00:22:11: oder Zauberin und Ritter und dies und das
00:22:13: und jenes.
00:22:14: Die haben alle verschiedene Kompetenzen und Fähigkeiten.
00:22:16: Die werden zusammengeführt.
00:22:18: Dann wird gemeinsam überlegt, wie können wir das
00:22:19: gemeinsam nutzen, um unser gemeinsames Ziel zu lösen.
00:22:22: Da bringt jeder erstmal alles ein, weil alle
00:22:24: am Ende wissen, ich habe einen Mehrwert davon.
00:22:27: Ich werde dann auch an dem Sieg quasi
00:22:30: partizipieren.
00:22:31: Das wäre ein Ansatz auch.
00:22:32: Das heißt zusammengefasst, wir stehen in unseren Gesellschaften
00:22:35: vor einem riesengroßen Transformationsdruck.
00:22:37: Deshalb erleben wir gerade eine Phase der Instabilität,
00:22:41: die auch gut ist.
00:22:42: Wir müssen jetzt durch diese Instabilität durch und
00:22:45: müssen dann schauen, dass wir daraus resultieren, eine
00:22:47: Transformationsdynamik erzeugen.
00:22:49: Und da gibt es ganz unterschiedliche Themen.
00:22:51: Uns muss klar sein, es sind sehr viele
00:22:53: unterschiedliche Themen, die unterschiedliche Wirkungen im System erzeugen,
00:22:58: die aber miteinander in Verbindung stehen.
00:23:03: Ich glaube, Digitalisierung kann ein besonderer Hebel sein,
00:23:06: weil wir auf der individuellen Ebene das Ganze
00:23:09: erfahrbar machen können.
00:23:11: Und was wir nicht brauchen, ist diese Empörungsökonomie,
00:23:16: wie wir sie gerade in den sozialen Medien
00:23:18: erleben.
00:23:19: Was wir nicht brauchen, ist einen neuen Extremismus.
00:23:21: Was wir nicht brauchen, sind irgendwelche Nebelkerzen.
00:23:24: Sondern was wir brauchen, ist eine gemeinsame Idee,
00:23:27: wie wir das denn jetzt damit umgehen wollen.
00:23:29: Und dann müssen wir diese Systeme, diese Schritte,
00:23:32: diese Strategien auch umsetzen.
00:23:33: Das wird besonders wichtig sein.
00:23:35: Auch dann, wenn es gegebenenfalls an der einen
00:23:36: oder anderen Stelle wehtut, dann kann man anpassen
00:23:39: und dann kann man auch mal scheitern.
00:23:41: Scheitern ist ein gutes Stichwort, weil eine der
00:23:43: nächsten Podcastfolgen wird sich mit Scheitern befassen.
00:23:46: Das erzähle ich dann aber, wenn es soweit
00:23:47: ist.
00:23:48: In so einem Sinne, transformiert euch, soweit es
00:23:50: geht.
00:23:53: Und viel Spaß noch.
00:23:54: Bis dann.
00:23:54: Ciao.
00:24:11: Untertitel im Auftrag des ZDF für funk, 2017
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